Die Idee
Es ist Samstagabend. Du sitzt am Pool, ein Cocktail in der Hand, das Handy neben dir. Eine Idee für das Partyplaner-Projekt taucht auf. Du öffnest die Claude-App, tippst in den Code-Tab — und dort wartet schon eine laufende Session auf dockerdev. Du sprichst die Idee per Spracheingabe, Claude setzt sie um. Auf dem Server daheim. Während du entspannst.
Das ist kein Zukunftsszenario. Das ist Claude Code Remote Control.
Was ist Claude Code Remote Control?
Claude Code hat ein eingebautes Feature für genau diesen Anwendungsfall: eine laufende Claude-Instanz auf dem Server ist dauerhaft über die Claude-App — oder jeden Browser über claude.ai/code — erreichbar. Kein SSH, kein VPN, keine Terminal-App nötig.
Die Session läuft auf dem eigenen Server. Nichts wird ausgelagert. Der Code bleibt auf dockerdev.
Voraussetzung: claude.ai-Subscription (Pro, Max, Team oder Enterprise). API-Keys werden nicht unterstützt — Remote Control ist ein Cloud-Feature von Anthropic, das die Verbindung zur Claude-App herstellt.
Setup: Claude mit Remote Control starten
Schritt 1: Der entscheidende Startparameter
Der Parameter heißt --remote-control. Er registriert die laufende Instanz bei claude.ai und macht sie in der Claude-App sichtbar:
claude --remote-control dockerdev-mcp
Der Name dahinter (dockerdev-mcp) ist der Anzeigename in der Session-Liste der App. Claude zeigt beim ersten Start einen QR-Code und eine Session-URL an — einmal gescannt, und das Gerät ist dauerhaft verknüpft.
Schritt 2: Autostart via systemd
Das Ziel: dockerdev startet → tmux-Session wird angelegt → Claude läuft → vom Handy direkt verbindbar, ohne manuell einloggen.
Dafür gibt es zwei Dateien. Das Startup-Script /usr/local/bin/claude-session-start.sh:
#!/bin/bash
SESSION="claude-code"
WORKDIR="/root/projects"
CLAUDE="/root/.local/bin/claude"
if tmux has-session -t "$SESSION" 2>/dev/null; then
echo "Session '$SESSION' läuft bereits."
exit 0
fi
tmux new-session -d -s "$SESSION" -c "$WORKDIR" "$CLAUDE --remote-control dockerdev-mcp"
Das Script ist idempotent: ein versehentlicher Doppelstart erzeugt keine zweite Session.
Die systemd-Unit /etc/systemd/system/claude-code.service:
[Unit]
Description=Claude Code Remote Session (tmux)
After=network.target
[Service]
Type=oneshot
RemainAfterExit=yes
User=root
Environment=HOME=/root
Environment=PATH=/root/.local/bin:/usr/local/sbin:/usr/local/bin:/usr/sbin:/usr/bin:/sbin:/bin
ExecStart=/usr/local/bin/claude-session-start.sh
ExecStop=/usr/bin/tmux kill-session -t claude-code
[Install]
WantedBy=multi-user.target
Aktivieren und starten:
systemctl enable claude-code
systemctl start claude-code
Ab sofort überlebt die Claude-Session jeden Neustart von dockerdev.
Schritt 3: Von überall verbinden
- Claude-App (iOS / Android) öffnen
- Unten auf „Code" tippen
- Session-Liste erscheint —
dockerdev-mcpist sichtbar - Tippen → man ist drin
Oder im Browser: claude.ai/code → Sessions-Übersicht.
Auf dockerdev laufen parallel mehrere tmux-Sessions für verschiedene Projekte. Nur
claude-codeenthält die Remote-Control-Instanz — das hält die App-Liste übersichtlich: ein dauerhaft verbindbarer Einstiegspunkt.
Optionale Einstellung: Remote Control für alle Sessions
In Claude Code: /config → „Enable Remote Control for all sessions" → true
Dann gilt: jede neue claude-Instanz auf dockerdev ist automatisch remote erreichbar — ohne extra Flag. Praktisch wenn man mehrere Projekte parallel aus der App heraus steuern will.
Push-Benachrichtigungen: Claude meldet sich wenn er fertig ist
Das unterschätzte Feature: Claude kann Push-Benachrichtigungen auf das Handy schicken.
/config → zwei Optionen:
- „Push when Claude decides" — Claude schickt eine Benachrichtigung wenn er eine Entscheidung trifft
- „Push when actions required" — Benachrichtigung wenn Eingabe nötig ist
Praktisch für lange Aufgaben: Aufgabe stellen, Handy weglegen, Pool genießen — das Handy vibriert wenn Claude fertig ist oder eine Frage hat.
Warum tmux der entscheidende Baustein ist
Ohne tmux stirbt die Remote-Session sobald die SSH-Verbindung abbricht. Mit tmux:
- Die Claude-Instanz läuft weiter, auch wenn niemand verbunden ist
- Man verbindet sich neu und findet alles genau so vor
- Mehrere Projekte laufen parallel als separate Sessions
Der _proj-Alias aus dem vorherigen Artikel startet tmux automatisch — claude --remote-control läuft dann einfach darin.
Der komplette Workflow vom Handy
1. Claude-App öffnen
2. Code-Tab → Session "dockerdev-mcp" antippen
3. Per Sprache: "Füge eine Suche in der Gästeliste hinzu"
4. Claude plant, implementiert, testet — live auf dockerdev
5. Handy weglegen, Push-Benachrichtigung abwarten
6. Ergebnis prüfen, nächste Aufgabe
Alles läuft auf eigenem Server. Keine Daten verlassen dockerdev — außer der Konversation mit Claude, die über claude.ai läuft.
Fazit: Entwicklung von überall
Ein Server im lokalen Netz. tmux als Fundament. Claude Code mit Remote Control. Die Claude-App auf dem Handy.
Das Ergebnis: vollwertige KI-gestützte Entwicklung vom Handy — im Urlaub, unterwegs, am Pool. Während Claude auf dem Server arbeitet, muss man nicht am Rechner sitzen.
Dieser Beitrag ist Teil der Reihe „KI in der Praxis" — echte Setups, keine Theorie.
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